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Anlässlich des 25. “Tag des Offenen Denkmals” öffnet auch 2018 die Eisenhütte Abentheuer wieder ab 10:00 Uhr ihre Tore mit einem spannenden und reichhaltigen Programm. Es steht ganz unter dem Motto des Denkmal-Jahres 2018: “Erleben, was uns verbindet”.
Die Freunde und Partner der Eisenhütte Abentheurer beleben gemeinsam das Industriedenkmal mit Kunst, Literatur und Wissen.
Der Kunstverein Obere Nahe e.V. ist mit einer Ausstellung von fünf Künstlern vertreten.
Der international renommierte Künstler Philippe Devaud wird in einer Kunstperformance mit den Besuchern ein Papier-Kunstwerk von 1,80 mal 3 Meter schöpfen und gemeinsam mit dem in der Eisenhütte ansässigen Schriftsteller und Künstler Norman Liebold die Veröffentlichung der Erzählung “Azurit” begehen.
Der Autor bereichert das Programm mit einer musikalisch begleiteten Autorenlesung von “Azurit” und stellt seine Grafiken in der Ausstellung des Kunstvereins aus.
Caspar Kampf, Besitzer der Eisenhütte Abentheuer, Gastgeber und seines Zeichens Vorkämpfer für das Bewusstwerden der Bedeutung der Montanindustrie im Hunsrück, wird zwei seiner beliebten Führungen über das Denkmal durchführen, einen Vortrag über die Montanindustrie im Hunsrück halten und den Besuchern das Verfahren des Metallgusses präsentieren, wie es in der Eisenhütte praktiziert wurde.
Für Getränke und den kleinen Hunger ist bestens gesorgt.

Gussvorführung beim Tag des Offenen Denkmals 2017. Foto: Norman Liebold
Gussvorführung beim Tag des Offenen Denkmals 2017. Foto: Norman Liebold

Zu den Programmpunkten

Caspar Kampf: Führungen durch das Industriedenkmal

Die Führungen über das Gelände der Eisenhütte Abentheuer erfreuen sich großer Beliebtheit. Den Besuchern wird ein Einblick in die Geschichte des Industriedenkmals gegeben. An den auch für Laien gut erkennbaren Punkten wird die Funktion der Gebäude anhand von alten Plänen erklärt. Die Führung gestattet einen Überblick über die Historie der Eisenhütte, die Geschichte der Betreiber sowie die Rahmenbedingungen der verwendeten Technik und der Produktionsweisen und -mengen.

Philippe Daniel Devaud: “Zeitpapiere”

Philippe Devaud und Caspar Kampf entwickelten gemeinsam die Idee zu einem Papierkunstwerk, das die Geschichte der Eisenhütte und die Zeit als bestimmenden Faktor menschlicher Existenz zum Thema hat.
Der international renommierte Künstler wird es mit seiner speziellen Technik des Papierschöpfens in einer Live-Performance erschaffen. Die Besucher können nicht nur miterleben, wie das besondere Papier Devauds – Hanakami (Hana, japanisch Papier und Kami, japanisch für Blüte, Gott) – entsteht, mit dem der gebürtige Schweizer seine riesigen Aquarelle schafft, sie können selbst daran mitwirken. Eine weitere Besonderheit daran ist, dass Devaud, der seit 20 Jahren mit chinesischen Maulbeer-Fasern seine Papiere schafft, dies zum allerersten Mal in öffentlichem Rahmen außerhalb seines Ateliers tun wird.
Devauds Kunstwerk “Zeitpapiere” wird Eisen in verschiedenen Formen in das Papier einschöpfen und es oxidieren lassen, so dass es sich unter dem Einwirken von Zeit in der langsamen Trocknung verändert und unvorhersehbare Effekte sichtbar werden. Ein von vielen geschaffenes, 1,80 mal 3 Meter großes Objekt, das Papier (sinnbildlich für Holz, den Treibstoff der Eisenverhüttung im Hunsrück), Wasser (den Energielieferanten der Montanindustrie des Hunsrücks durch Wasserräder) und Eisen (das Produkt) mit den unkontrollierbaren Effekten von Zeit (Rostenlassen des eingearbeiteten Eisens) und dem Wirken der Menschen (die am Kunstwerk mit-schöpfen) verbindet und so erlebbar werden lässt.
Devaud spendet seine Performance und das Kunstwerk dem Projekt Eisenhütte. Es wird am 22. und 23. September anläßlich des offenen Ateliers des Künstlers in Rinzenberg präsentiert. Devaud stiftet seit Jahren jedes Jahr eine Aktion im Wert von 500 Euro an Projekte, die er unterstützenswert findet. Der Rahmen wird die Schreinerei Warth dem Projekt spenden.
Philippe Devaud und Norman Liebold: Buchpremiere “Azurit”
Philippe Devaud ist als literarische Figur auch Teil der Novelle “Azurit”, die Norman Liebold im März in der Anthologie “Boschs Vermächtnis” veröffentlichte, die von Christian von Aster kuratiert und ins Leben gerufen wurde. Devaud arbeitete bei den Recherchen und im literarischen Prozess eng mit dem September 2017 in den Hunsrück übergesiedelten Autor und Künstler zusammen.
Am Tag des Offenen Denkmals begehen die beiden befreundeten Künstler die Veröffentlichung der Novelle als eigenständiges, kleines Buch. Auch dieses Buch steht im Zeichen von “Erleben, was verbindet”, denn Liebold verschmolz in “Azurit” Wirklichkeit, historische Fakten und allegorische Phantastik und thematisierte Freundschaft, Zusammenwirken und seine neue Heimat Hunsrück darin. So sind, unter anderem, die Niederbrombacher Kirche, das Atelier Devauds und das Kupferbergwerk Fischbach (wo Azurit vorkommt) als Orte thematisiert, wo Liebold Freunde und Inspiration gefunden hat.
Es erscheint bei Amator Veritas. Liebold wird das Programm durch die Lesung der Novelle bereichern, die er musikalisch auf Klarinette und Flöten begleitet.

Kunstverein Obere Nahe e.V. und Norman Liebold

Der Kunstverein Obere Nahe e.V. ist gemeinsam mit Norman Liebold in den Räumen des Herrschaftshauses mit einer umfangreiche Ausstellung mit Schwerpunkt Grafik und Malerei vertreten.
Es werden Werke folgender Künstler gezeigt:

  • Helmut Schmid (Baumholder): Radierungen und Zeichnungen
  • Rolf Seul (Mittelreidenbach): Holzschnitte
  • Herbert Heß (Hoppstädten-Weiersbach): Aquarell, Acryl, Radierungen,
  • Heidi Rüter (Abentheuer): Aquarelle, Acryl
  • Norman Liebold (Abentheuer): Illustrationen, Kleinskulpturen

Der Kunstverein Obere Nahe e.V. und die Eisenhütte Abentheuer läuten damit als Netzwerkpartner ganz im Sinne von “Erleben, was uns verbindet” auch die Arbeit des unter der Federführung von Christoph Frisch (Leiter des Kunstzentrums Bosener Mühle) jüngst ins Leben gerufenen „Kulturnetzwerk Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald“ mit einem ersten Kooperationsprojekt ein.

Gussvorführung

Als krönenden Abschluß werden Kampf und Liebold gemeinsam ein Stück Magie zum Leben erwecken, indem sie – ein ganz besonderes Erlebnis – Metall schmelzen und gießen. Niemand vergisst so schnell den Anblick, wenn aus dem rotglühenden Tiegel das flüssige Metall in die Form rinnt, um dort zu etwas Neuem zu erstarren. Hierbei kann auch nicht nur miterlebt werden, wie Gussformen erstellt werden, sondern auch wie Kunstwerke entstehen, denn auf der Eisenhütte Abentheuer werden im Metallgussverfahren auch Plastiken erschaffen.
Auch dies ein schönes Beispiel von gegenseitigem Beflügeln und dem Erlebnis verbindendem gemeinsamen Schaffen, denn Liebold und Kampf lernten sich im Juni 2017 über ihre gemeinsame Leidenschaft des Metallgießens kennen und schaffen seitdem gemeinsam. Wobei Liebold von Kampfs Erfahrung und Können und Kampf durch Liebolds kreative Ideen profitierten. In der Ausstellung kann daher die beeindruckende Messing-und-Stahl-Plastik “Erstarrter Guss” bewundert werden, die Caspar Kampf beim gemeinsamen Schaffen entwickelte und umsetzte und ebenso plastische Arbeiten Liebolds, die er noch vor wenigen Monaten nicht für möglich gehalten hätte.